Interview mit Markus ( Duvidoff )

Bea: Hallo Markus!

Schön, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst.
Du spielst noch nicht solange auf DailyGammon.
Wie bist du auf diese Seite aufmerksam geworden?


Markus:
Ich bin nicht neu dort, war nur 10 Jahre weg.
Hatte damals ein 2100er Rating. Da ich meine
Zugangsdaten vergessen habe, habe ich mich neu
angemeldet.

Bea: Du bist ein großer Schachspieler.
Hab ich auf Google entdeckt.
<grins>
Seit wann spielst du Backgammon?


Markus:
„Großer“ ist doch groß übertrieben 😉
Habe vor ca. 20 Jahren meine letzte
ernsthafte Turnierschach Partie gespielt.
Ernsthaftes Schach ist zeitintensiv, aber
leider für die meisten Spieler brotlos.
Habe mal überschlagen, dass ich
ca. 20.000 Stunden mit Schachtraining
verbracht habe. Um vom Schach spielen zu leben,
muss man schon in den Top 100 der Welt sein,
um gut zu leben unter den Top 10. Davon war
ich kleiner Spieler doch sehr weit entfernt.
Also habe ich damit Ende des letzten Jahrtausends
aufgehört und versucht mit ehrlicher
Arbeit über die Runden zu kommen 🙂
Backgammon kam während meiner Studentenzeit.
Wir hatten damals eine feuchtfröhliche Runde.
Boris, Charles, Joerg, Steffen und ich. Einmal die
Woche haben wir Chouette gespielt,
um eine D-Mark pro Punkt.

 

Bea: Ich habe auch gesehen, dass du eine tolle Seite
über Backgammon ins Netz gestellt hast.
Darf ich deine Seite auf meiner Page verlinken?
https://backgammon.nfshost.com/


Markus:
Herrje 🙂
Das Internet ist aber auch eine Müllhalde 🙂
Zeug aus meiner aktiven Backgammon Phase.
Natürlich darfst du meine Uraltseite verlinken.
Aber ich mache schon seit langem nichts mehr
daran und werde auch nicht mehr damit anfangen.
Wer also Rechtschreibfehler findet, darf sie
behalten 🙂
Auch ist mein Englisch ist mittlerweile
deutlich besser. I swear! 🙂

 

Bea: Mein Mann sagt immer, wer sich beim Backgammon
über die Würfel ärgert, der sollte dann Schach spielen.
Was hältst du von dem Spruch?
🙂


Markus:
Recht hat er! Einige Spieler reagieren
beim Backgammon schon eigenartig.
Wenn sie gewinnen, dann war es selbstverständlich
das Ergebnis ihrer strategischen Überlegenheit.
Wenn sie verlieren, dann waren die blöden
Würfel schuld.

 

Bea: Spielst du auch auf realen Turnieren mit?
Wenn ja, auf welchen großen Events warst du?
Hast du auch dort Erfolge feiern dürfen?


Markus:
Nein! So vor 10 Jahren, als auch die eben
genannte Internetseite entstand, habe ich
für einige Zeit fast jeden Tag im Internet
um Geld gespielt, um herauszufinden,
ob man von dem Spiel leben kann.
Ja, man kann! Aber da es ja darum ging
möglichst viel Geld zu gewinnen, habe ich
die ganze Zeit gegen schlechtere Spieler gespielt.
Den ganzen Tag Kinder zu verhauen ist
kein erfüllendes Leben 🙂
Nach 2-3 Monaten habe ich entschieden,
dass ich kein Backgammon Profi sein will und
habe aufgehört Backgammon „ernsthaft“ zu spielen.
Backgammon ist eine Kombination aus Können und Glück.
Bei einem Turnier gehe ich davon aus,
dass alle wissen wie es geht. Die Unterschiede
beim Können zwischen den teilnehmenden Spielern
sind gering. Also wird das Glück, die Würfel,
über den Turniersieg entscheiden. Deshalb hatte
ich nie die Motivation zu einem realen Turnier
zu fahren. War auch noch nie in einem Casino,
sowas reizt mich halt nicht.

 

Bea:  Was hältst du von Gnu oder Snowie?


Markus:
Ich habe auf meinem PC die alte Jellyfish Freeware Version.
Reicht mir zum spielen völlig aus!
Gnu und Snowie sind beides spielstarke Programme.
Sehe aber keinen Grund den Preis für Snowie zu zahlen,
da Gnu umsonst ist.
Generell halte ich die Analysen, Stellungsbewertungen
von Programmen für überbewertet.
Sie beruhen ja hauptsächlich darauf, dass diese
Programme die Stellungen viele Male gegen sich
selbst spielen. Wir spielen aber gegen Menschen.
Auch sind sie emotionslos. Z.B.: Wenn man gegen
einen Menschen einen Doppler annimmt und zügig
zurückdoppelt (natürlich nur, wenn die Stellung
das hergibt), hat dies nach meiner Erfahrung
meistens den Effekt, dass die Gegner im weiteren
Verlauf der Sitzung vorsichtiger und später doppeln.
Spielpsychologie kennt der Computer aber nicht.
Zudem beruhen Wahrscheinlichkeiten auf Unendlichkeit.
Nennt sich glaube ich das Gesetz der großen Zahl?
Hoffentlich blamiere ich mich jetzt nicht,
wenn Leute die in der Schule aufgepasst
haben das Interview lesen 🙂
Wenn man unendlich oft eine Münze wirft,
kommt am Ende gleich oft Kopf und Zahl.
Wir spielen aber nicht unendlich, sondern nur Sequenzen.
Nach 10 oder 100 Würfen sind Kopf und Zahl
nie gleich verteilt.
Wahrscheinlichkeiten gilt erst in der Unendlichkeit,
auch beim Würfelspiel Backgammon.
Eine Gnu Bewertung sagt also nichts anderes als:
Wenn ich 10.000-mal gegen Gnu spiele und
dabei selbst wie Gnu spiele, dann ist dieser Zug der
Beste bzw. diese Doppleraktion die Beste.
Was soll ich mit dieser Bewertung anfangen?
Ich spiele nicht gegen Gnu, ich spiele nicht wie Gnu,
und 10.000 mal spiele ich die Stellung schon gar nicht.
Deshalb halte ich nicht viel von der Analysefunktion
dieser Programme.
Zudem verleitet sie Spieler dazu, zu glauben
sie hätten ein Spiel nur wegen schlechter Züge verloren
und die Würfel wären total unschuldig 🙂

Bea:  Wow, was für eine super kluge Antwort. Das gefällt mir. 🙂
In deiner ersten Saison hast du mich ja schon sehr beeindruckt.
In 14 Spielen hast du 13mal gewonnen. Hut ab!
Meinst du, es wird dir in der zweiten Liga wieder gelingen?


Markus:
Vielleicht steig ich auch direkt wieder ab? 😉
Es geht ja nicht um Geld und wie schon erwähnt,
spiele ich Backgammon nicht mehr ernsthaft.
Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen. Backgames
gewinnt man in der Regel einfach oder verliert sie doppelt.
Im Sinne des Erfolges sollte man sie folglich vermeiden,
bzw. den Doppler ablehnen wenn man sie hat.
Allerdings sind gewonnene Backgames doch die schönsten Siege.
Deshalb lasse ich mir solche „unvernünftigen“ Handlungen
nicht nehmen. Kann ergebnismässig natürlich nach hinten
losgehen. Macht aber nichts, da mir entspannte Unterhaltung
wichtiger ist als der Erfolg. Diesen Altersstarrsinn
lasse ich mir nicht nehmen 🙂
Deshalb warten wir mal ab wie sich die Spiele
entwickeln und was die Würfel sagen.

 

Bea:  Wie bist du so gut geworden?
Hast du dir Bücher gekauft und oder mit einem Backgammon-Programm
(wie Gnu oder Snowie) gearbeitet?


Markus:
Eine fundierte strategische Ausbildung habe
ich ja schon vom Schach mitgebracht.
Das Ziehen der Steine war bei dem wesentlich
übersichtlichem Brettspiel Backgammon
also kein großes Thema.
Der Umgang mit dem Dopplerwürfel, wo sich
ja die Spreu vom Weizen trennt, durch spielen.
Natürlich kenne ich die mathematischen Regeln wie
auch die Faustregeln, wann der Doppler zu geben,
anzunehmen oder abzulehnen sind.
Aber wer kann am Brett schon genau einschätzen,
ob die Chancen bei 23% oder 27% stehen?
Da hilft nur spielen, spielen, spielen um
ein Stellungsgefühl zu bekommen.
Spielen gegen Backgammon-Programme halte
ich für ein sehr gutes Training.
Damit zu arbeiten, also die Analysefunktionen
zu nutzen, halte ich für ein wenig effizientes
Training. Warum, habe ich ja eben schon
langatmig erklärt 🙂
Stellungsgefühl sehe ich als Schlüssel
zum erfolgreichen Spielen.
Deshalb habe ich sehr viel gespielt.
Gegen meinen alten Jellyfish 🙂

 

Bea:  Du kommst ja aus Wuppertal. Wie kommt man nach Panama?
War es die Liebe?


Markus:
Ja, du möchtest jetzt was Romantisches hören, nicht wahr 😉
Ich bin in Panama der Liebe wegen gestrandet, schon richtig.
Wuppertal verlassen habe ich aber wohl eher
wegen Midlife-Crisis 🙂 Wollte als digitaler
Normade (damals gab es die Bezeichnung glaube ich noch gar nicht)
durch die ganze Welt reisen.
Na ja, über die Dominikanische Republik habe ich
es bis nach Panama geschafft.
Dort haben mich meine Hormone gestoppt 🙂
Geheiratet, Land gekauft, Haus gebaut, Kinder bekommen.
Der Möchtegern-Weltenbummler ist ratzfatz im Spießerleben gestrandet.

 

Bea: Hast du Verbesserungsvorschläge für die Liga?


Markus:
Nein! Aber ich werde neugierig beobachten,
wie du die zukünftigen Herausforderungen bewältigst.
Die Meisterschaft hat ja regen Zulauf. Wenn
das so weitergeht, dann musst du bald
1.000 Spieler Händeln 😉

 

Bea: Hab vielen Dank und liebe Grüße auch an deine kleine Familie.