Interview mit Gerhard ( GerhardC )

Hallo Gerhard !

Schön, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst.
Du gehörst ja auch zu den alten Hasen, hier auf DailyGammon.
Seit 2002 bist du dabei.
Wie bist du auf diese Seite aufmerksam geworden und warum gefällt es dir hier so gut?

 

Ich spiele schon lange Online Backgammon.

Bei meinen ersten Kontakten mit dem Internet

bin ich auf die Seite GamesGrid aufmerksam geworden.

Das war für mich der Einstieg mich etwas ernsthafter

mit Backgammon zu beschäftigen. Später habe ich

noch auf Fibs gespielt, auf itsyourturn und dann auch

auf Dailygammon. Inzwischen spiele ich nur noch auf DG.

Die Seite ist gut gemacht, auf das Wesentliche beschränkt,

keine Werbung oder nervige Gimmicks. Es gibt die

wichtigsten Spielformate. Das Turn base Prinzip

finde ich inzwischen für mich praktikabler.

 

Seit wann spielst du überhaupt Backgammon?

Seit meiner Teenagerzeit, aber damals nur zum Spaß.

 

Spielst du auch auf realen Turnieren mit?
Wenn ja, auf welchen großen Events warst du?
Hast du auch dort Erfolge feiern dürfen?

Nein, habe ich noch nie teilgenommen.

 

Du gehörst zweifellos zu den großen Spielern in der Liga.
Wie bist du so gut geworden?
Hast du mit Programmen wie Snowie oder GNU gelernt?
Oder hast du Bücher gekauft?

 

Oh, Danke für die Blumen.

Ich hatte mal Jellyfish und später Snowie gekauft

und damit Matches analysiert.

Das habe ich bald wieder aufgegeben.

Wenn man sehr, sehr viele Matches spielt kann es

sich lohnen zu wissen, dass in dieser Situation eine

andere Entscheidung besser gewesen wäre.

Aber für dieses spezielle Match entscheiden doch

die nächsten Würfe. Ich habe für mich gedacht, das

mein Bauchgefühl für meine Zwecke ausreichend ist.

Durch diverse Umzüge und Rechnercrashes sind mir

beide Programme abhanden gekommen,

war mir nicht mehr wichtig diese zu erneuern.

Ich habe lieber gespielt als analysiert.

Sehe ich auch so locker, weil ich nie Money Games spiele.

Bücher hatte ich mir von Kit Woolsey und Bill Robertie

ausgeliehen, aber nie zu Ende gelesen.

Einige Grundsätze sind hängen geblieben.

Inzwischen spiele ich nur aus „dem Bauch“.

Vielleicht spielt Erfahrung eine Rolle.

 

In der neuen Saison wird die 1. Liga so stark sein wie noch nie.
Was denkst du, was der Unterschied zwischen den Spielern sein wird?
Erfahrung, Glück oder die bessere Taktik als die anderen?

 

Die Mischung machts. Da in der Liga ein hohes

Niveau herscht denke ich, der Faktor Glück hat

inzwischen den grösseren Anteil am Ausgang.

 

 

Welchen Stellenwert gibst du den Doppler-Würfel?
Mein Mann sagt, dass die Spiele nur dadurch entschieden werden,
wer besser doppelt und wer weiß, wann ein Spiel aufzugeben oder anzunehmen ist.
Was sagst du dazu?

 

Da hat er recht. Den Doppler richtig zu nutzen

bringt große Vorteile. Hier sehe ich bei mir Defizite,

meist bin ich zu zögerlich, warte zu lange.

Und ich entscheide nicht objektiv.

Es gibt so Tage, da scheint sich aus kein Wurf

etwas machen zu lassen – womöglich subjektive

Wahrnehmung oder Steam Effekt,

da droppe ich dann zu früh.

Ist nicht optimal, aber da lebe ich mit.

 

 

In der Geschichte der Backgammonliga ist es schon dreimal passiert,
dass der Meister eine Saiosn später direkt wieder abgestiegen ist.
Markus hat dazu folgende Theorie geschrieben:

Da ich mal etwas länger auf der Seite war, bin ich auch über
deinen Satz gestolpert, dass so viele Meister absteigen.
„Der Fluch des Meisters“ …
Für mich kein Fluch, sondern eher wahrscheinlich. Begründung:
Die erste Liga ist mittlerweile sehr ausgeglichen, kein Fallobst mehr, nur noch starke Spieler. Glück ist also wichtiger geworden,  da die Spielstärkenunterschiede geringer geworden sind.

In meiner Zeit als Geldspieler hab ich viele Statistiken geführt. Selbst die stärksten Spieler gewinnen auf lange Sicht nur 60% ihrer Spiele.
7 Siege aus 14 Spielen sind 50%, mit nur einem Sieg weniger, also 6 aus 14, steigt man ab. Pech kann man sich nicht mehr erlauben 😉

Brunello hat die letzte Meisterschaft mit 11/14 gewonnen. Das sind 80%!  Zuviel, soviel würde selbst Gnubg auf lange Sicht nicht holen. Klar, dass sich so ein hoher Wert bei mehr Spielen wieder normalisiert.
In der aktuellen Meisterschaft hat er 6/14. In der Summe beider Meisterschaften 17/28. Er hat in der ersten Liga also 60% der Spiele gewonnen. Kann man nicht meckern. Er steigt nur ab, weil sich seine Quote auf den Wert eines starken Spielers normalisiert hat oder um es anders zu sagen. von der Wahrscheinlichkeit her, war Brunello erster Favorit auf den Abstieg.

Was sagst du dazu?

 

Das ist eine interessante Theorie.

Ich denke aber, dass die wenigen Matches einer

Saison nicht ausschlaggebend sind, die Gesamtquote

auszugleichen. Wenn Brunello die Saison vorher

nicht gewonnen hätte, hätte das die Matches anders

verlaufen lassen? Statistik ist ein faszinierendes Thema.

 

 

Ich habe mal wieder ein kleines Rätsel auf der Seite gepostet.
Leider hatten nur 4 Spieler Interesse an dem Rätsel.
Woran liegt es?
Man lernt doch nie aus. Ich selber musste mir die Niederlage zuschreiben, weil ich nicht gut gespielt hatte.
Im ersten Bild ging es um eine Dopplerentscheidung.
Hätte ich bloß den Doppler abgelehnt, dann wäre es vielleicht ganz anders gelaufen. So lag ich gleich im ersten Spiel mit 0:4 hinten.
Hättest du den Doppler angenommen?
Wie würdest du bei den anderen Rätseln entscheiden?
Magst du mir deine Lösungen schreiben?
Würde mich sehr interessieren.

 

So wie ich keine Matches mehr analysiere schaue ich mir auch keine Rätsel an. Deswegen bin ich dem Link noch nicht gefolgt.

Bei 1 sehe ich ein Blitzpotential für rot, dafür sind 2 Steine aus dem Spiel.

Als Rot hätte ich hier nicht gedoppelt, als Schwarz hätte ich abgelehnt.

Sollte ROT doppeln?
Ja
Und wenn ja, sollte SCHWARZ aufgeben
Ja

Bei 2 hätte ich den 5er Punkt besetzt.

RICHTIG

Bei 3: den 5er Punkt machen und den auf 4 schlagen, also 6-5 6-5 6-4

Bester Zug wäre: 6/4 (2x)

Bei 4: 6-3 24-21 13-10-2x

Bester Zug wäre: 21/18 und 8/5 (2x) und 6/3

 

 

Hast du in der Liga einen Angstgegner?
Es ist ja komisch, aber ich konnte in den fast 2 Jahren
noch nie gegen Matte oder gegen Lothar gewinnen.
Ist das Zufall oder haben die eine Taktik, mit der ich nicht umgehen kann?

Eigentlich nicht, Respekt habe ich vor allen,

aber ich vertrete ja die Glückstheorie.

Vielleicht können wir ja mal eine Skype Session machen,

Du und Matte spielen, Lothar und ich schauen zu,

wäre interessant ob das etwas ändert.

 

 

Wenn du spielst, hast du für dich selbst so kleine Regeln aufgestellt, die du im Spiel beherzigst?
So wie der Spruch von meinem Mann:
Innenfeldpunkte sind wichtiger als Außenfeldpunkte oder
der von Matte: Der fünfte Punkt ist nicht so wichtig wie der
fünfer Punkt, außer das Match geht bis fünf ;-D

 

Ja schon, ich versuche so zu ziehen das ich mit möglichst

vielen Folgekombinationen flexibel sein kann,

die Innenpunkte versuche ich auch zu besetzen/verteidigen.

Duplizieren ist speziell bei DG schon so oft in die Hose

gegangen, also das ein PASCH in der duplizierten Zahl folgt,

gefühlt kommt das fast immer vor.

Allgemein betrachte ich es so:

Wenn ich gewinne, hatte ich Glück.

Wenn mein Gegner gewinnt, hatte er die

bessere Strategie. Damit kann ich gut schlafen.

 

 

Klasse Interview.

1000 Dank Gerhard.